00:00Der Bauernhof von Jovan Galubovic produziert bis zu 220 Liter Milch pro Tag.
00:07Jeden Morgen und jeden Abend kühlt er die Milch in einem Milchkühltank herunter
00:11und verkauft sie an eine private Molkerei in der Stadt Kraguljevac für 42 serbische Dinar pro Liter.
00:18Zusammen mit den 19 Dinar, die er an Subventionen erhält, verdient Jovan etwa 60 Dinar pro Liter,
00:25bei weitem nicht genug, um seinen Hof am Laufen zu halten.
00:30Das Problem ist enorm, weil diese Preise weit unter unseren Produktionskosten liegen.
00:36Das Geld, das wir in eine Kuh investieren, damit sie einen Liter Milch produziert, ist viel mehr.
00:42Man sagt, die Produktionskosten in Serbien liegen etwa über 80 Dinar pro Liter.
00:47Das bedeutet, dass selbst mit den Subventionen die Preise, die wir erhalten,
00:51unter den tatsächlichen Kosten eines Liters Milch liegen.
00:55Der niedrige Ankaufspreis für Milch hat vor allem einen Grund.
01:00Der Einzelhandel importiert große Mengen Milch zu deutlich günstigeren Preisen.
01:05Das drückt den Marktpreis im ganzen Land.
01:08Zudem gibt es Zweifel an der Qualität gewisser Importprodukte.
01:11Eine Untersuchung des Labors Analab aus Pacevo ergab,
01:16dass elf von 13 untersuchten Milchproben aus dem Handel nicht aus reiner Frischmilch bestanden,
01:22sondern aus Trockenmilch, die als Frischmilch deklariert war.
01:30Das Ungleichgewicht ist sehr groß, denn ein Produkt, das keine echte Milch ist,
01:35wird natürlich zu einem viel niedrigeren Preis angeboten.
01:39Dann wird von uns erwartet, dass wir mit den Preisen dieser Ersatzprodukte,
01:43dieser sogenannten Milch, mithalten.
01:46Doch das ist unmöglich, weil wir echte Milch produzieren.
01:52Seit drei Wochen protestieren Serbiens Milchbauern landesweit an über 80 Orten.
01:59Sie fordern die Regierung auf, den Ankaufspreis zu erhöhen und Importe zu begrenzen.
02:05Nur reine Milch in notwendigen Mengen solle eingeführt werden, keine Ersatzprodukte.
02:11Andernfalls drohe, so warnen sie, ein vollständiger Zusammenbruch der serbischen Landwirtschaft.
02:18Sie wollen die Landwirtschaft ausbluten, damit Kühe nur noch im Zoo stehen
02:22und Kinder sie nur noch auf ihrem Handy sehen können.
02:26Die Bauern kritisieren, dass die Landwirtschaft seit Jahrzehnten unter der schlechten Agrarpolitik leidet.
02:32Sie dringen auf konkrete und langfristige Lösungen.
02:38Das Problem selbst ist nicht neu.
02:40Bereits 2023 entwickelten IT-Experten eine Online-Karte
02:45aller serbischen Milchproduzenten, um die Bauern zu unterstützen.
02:49Inzwischen werden täglich mehr als zehn neue Betriebe auf der sogenannten Milk-Map registriert.
02:58Die Karte funktioniert in beide Richtungen.
03:02Verkäufer füllen einfach ein Formular mit ihrer Betriebsnummer,
03:06Telefonnummer, ihrem genauen Standort und ihrer Adresse aus.
03:11Das ist entscheidend, damit Käufer sie finden.
03:16Käufer können dann anrufen, fragen, was angeboten wird,
03:21ob jemand am Standort ist, ob sie direkt kaufen können,
03:25ob es weitere Produkte gibt und ob die angegebenen Preise noch aktuell sind.
03:33Über 500 Höfe in Serbien verkaufen inzwischen direkt an Verbraucher über diese Milk-Map.
03:39Auch Jovan Galubovic ist dabei.
03:42Er vertreibt auf diesem Weg rund 60 Liter Milch täglich.
03:46Für ihn ist die Milk-Map derzeit die beste Lösung für Bauern,
03:49wie auch für Konsumenten.
03:52Langfristig aber, sagt er, brauche die Branche nachhaltige politische Maßnahmen
03:57und die können nur der Staat liefern.
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